|
Vortrag für
Schüler:
Anne Frank - Das Mädchen auf dem Bild
Von Heide Kramer,
Hannover

Anne Frank, Ölporträt ©Heide
Kramer, September 1990
10 Jahre Anne-Frank-Schule Bergen/Kreis Celle
in Niedersachsen (Feierstunde am 23. Februar 1996)
Vortrag von Heide Kramer, Hannover, Februar 1996
Den
Schülern der Anne-Frank-Schule in Bergen/Kreis Celle gewidmet
Im Februar
1986 verlieh der Landkreis Celle der damaligen Orientierungsstufe Bergen in
Niedersachsen den Namen Anne-Frank-Schule. Mit dieser Namensgebung machte es
sich die Schule zur Aufgabe, am Beispiel des Lebens der Anne Frank auf die
Folgen von Vorurteilen und Rassenhass hinzuweisen. Im Rahmen der Möglichkeiten
versuchte die Schule seither, die ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler zur
Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersfarbigen und Andersgläubigen
anzuhalten. Um den Namen und die mit der Namensgebung übernommene Verpflichtung
auch vor der Öffentlichkeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, beging die
Anne-Frank-Schule in Bergen im Februar 1996 eine Feierstunde. Hierzu wurde ich
eingeladen, um an meinem der Schule zur Verfügung gestellten Bild "Anne Frank"
einen Vortrag zu halten.
Liebe
Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe
mir gedacht, die Symbolfigur Anne Frank auf meinem Bild zur Person Anne werden
zu lassen.
Vielleicht
hat ihr Vater Otto sie gerade an ihrem 13. Geburtstag ebenfalls so gesehen wie
sie charakterisiert wurde, wie sie sich selber später charakterisierte und wie
ich sie mir dann vorstellte: Als einen Menschen mit einer glücklichen Natur,
viel Fröhlichkeit, Stärke und Liebe. Eine starke Kinderpersönlichkeit!
Nach 1945
diskutierten Zeitzeugen mit Otto Frank über Annes Augenfarbe. Annes Vater
glaubte, seine Tochter habe helle Augen gehabt. Miep Gies weiß das in ihrem
Bericht "Meine Zeit mit Anne Frank" präzise zu sagen: Anne hatte graugrüne Augen
mit grünen Sprenkeln. Sie hatte wache, große, etwas tiefliegende Augen, die auf
den uns bekannten Fotos umschattet wirken. - "Katzenaugen", - wie andere
wiederum meinten. Aber Anne hatte einen lachenden offenen Blick, und Katzenaugen
sind doch eher verschlossen.
Eine
Zeitzeugin[i] aus Ernst Schnabels Dokumentation[ii] erzählte, während eines Nachmittagskaffees, zu dem Anne Frank eingeladen wurde,
starrte Anne lange den Hausherrn[iii]
an, um dann plötzlich quer über den Tisch hinweg zu sagen: "Sie haben ja
Katzenaugen!" - Die Familie
Frank war als Katzenliebhaber bekannt, wohl daher die Katzen-Verbindungen der
Zeitzeugen. Schließlich gab es ja in Annes Leben die Katze "Moortje", im
Hinterhaus in der Prinsengracht den Lagerkater "Moffi" und Peters "Mouchi".
Wir sehen
hier Anne im weißen Licht. Sie ist aus der Dunkelheit ins Helle getreten und
über ihren Tod hinaus lebendig geblieben.
Die blaue
Farbe verweist auf ihr "kleines Himmelreich". Anne schuf sich gerade im
Hinterhaus eine "Nische" und erhielt sich dieses Eigenleben bis zuletzt. Dazu
gehören die Liebe zu Peter van Daan[iv],
die Liebe zur Natur ("Solange ich das noch sehen kann, den blauen Himmel...die
Natur...darf ich nicht traurig sein".), ihre Pläne und Träume für "nach dem
Krieg", Optimismus, der Glaube an Gott und das Gute im Menschen.
Ich habe das
Tagebuch im Jugendlichenalter gelesen. Zu einem Zeitpunkt, als es noch kein
Selbstverständnis war, über Anne Frank zu sprechen, geschweige denn, sie im
Unterricht zu thematisieren. Ich war so begeistert, wie man es nur als
Jugendliche(r) sein kann. Durch Anne wurde ich interessiert am 'Thema Faschismus',
Anne Frank hat mir Türen geöffnet. Zudem gab es viele Parallelen zu ihr.
Das Original
des Bildes, es ist ein Ölbild, widmete ich Frau Miep und Herrn Jan Gies[v]
in Amsterdam. Frau Miep schrieb mir:
"Mein Mann und ich sind
von dieser Geste sehr getroffen. Wer sind wir, dass wir so geehrt werden, - nur
ganz einfache Menschen, die in schlechten Zeiten ihre Pflicht am Nächsten getan
haben. Aber wir hätten viel mehr tun müssen, um der Familie Frank zu helfen, als
sie im Stich zu lassen. Das ist der Grund, weshalb ich mich nicht als Heldin
sehe". -
Ich denke, hier kann ich ein Zitat aus Annes
Tagebuch entgegenhalten und damit zum Ende kommen. Anne schreibt:
"Unsere Helfer beweisen ihren Heldenmut in ihrer Fröhlichkeit und Liebe".
-
Vielen Dank!

Heide Kramer in der Anne-Frank-Schule Bergen/Kreis
Celle beim Vortrag Februar 1996
Vortrag aus
dem Jahre 1996 von ©Heide
Kramer, Hannover. Aktualisiert: November 2008
Das originale Bild sowie einige Bezugsbriefe (von Frau
Gertrud Trenz-Naumann und Frau Miep Gies) habe ich am 2. April 2014 persönlich
dem Familie Frank Zentrum in Frankfurt am Main,
www.familiefrankzentrum.de, als
Schenkung übereignet. (Anmerkung H. Kramer, Hannover, April 2014).
Anmerkungen:
[i]
1)
©Gertrud
Naumann, spätere Frau Trenz, bis 1933 Nachbarskind der Familie Frank in
Frankfurt am Main. Sie verstarb am 1. Dezember 2002.
[ii]
2)
©Ernst
Schnabel: "Anne Frank - Spur eines Kindes" (im Vortrag unerwähnt):.
[iii]
3) Es handelte sich um
Gertrud Naumanns Vater. Die Familien Naumann und Frank pflegten in Frankfurt
sehr enge nachbarschaftliche Kontakte miteinander bis zur Emigration der Franks
in die Niederlande/Amsterdam im Jahre 1933. Zu diesem Zeitpunkt waren Gertrud
Naumann 12, Margot Frank sieben und ihre Schwester Anne Frank vier Jahre alt.
Die Verbindung zwischen den Familien riss jedoch trotz der räumlichen Trennung
nicht ab. Dieses geschah zwangsläufig erst, als sich die Franks in Amsterdam zum
"Untertauchen" entschließen mussten. Nach 1945 nahm Otto Frank in Deutschland
sofort die Verbindung zu Gertrud Naumann wieder auf.
[iv]
Pseudonym in den Tagebuchaufzeichnungen. Der authentische Name lautet Peter van
Pels.
[v]
Beschützer, Betreuer und Helfer der acht untergetauchten Menschen in der
Amsterdamer Prinsengracht 263 im Zeitraum Juli 1942 bis zur Verhaftung am 4.
August 1944.
hagalil.com 13-11-2008
|