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esra ist ein hebräisches Wort
und bedeutet Hilfe.
Viel zu wenig Interesse an den Überlebenden:
Die Spätfolgen der Nazi-Verbrechen
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Vor etwa sechzig Jahren wurden während der Herrschaft des Naziterrors in
Deutschland und in allen von Deutschen besetzten Gebieten mehr als sechs
Millionen Juden ermordet; unter den Ermordeten befanden sich etwa anderthalb
Millionen Kinder.
Das Interesse an Ausbau der Behandlungsmöglichkeiten von Spätfolgen bei den
Überlebenden hing in hohem Maße von persönlicher Betroffenheit und persönlichen
Beziehungen ab. Der Idealismus und die erforderliche Beharrlichkeit, um bei
dieser Arbeit zu bleiben und sie weiterzuentwickeln, wurden immer wieder auf
harte Proben gestellt.
Das Interesse an den Leiden und Hilfsangeboten für die Opfer des Naziterrors war
in Deutschland stets bescheiden. Der Höhepunkt des Interesses für die Opfer des
NS-Terrors war bei einer kleinen Gruppe von Klinikern in Deutschland schon in
den 60er Jahren erreicht, danach wurde dieses Thema in Fachkreisen relativ wenig
beachtet. Erst Ende der 80er Jahre nahm dieses Interesse aus unterschiedlichen
Gründen wieder zu. In Berlin gab es einen kleinen Kreis jüdischer Psychiater und
Psychologen, in welchem das Interesse für die klinischen und sozialen Folgen der
Schoah bei den Überlebenden und deren Nachkommen gewachsen war.
Aus diesem Kreis wurde Kontakt mit AMCHA u.a. mit Professor Haim Dasberg
aufgenommen. Kurz danach sind auch Kontakte mit dem Sinai Centrum zustande
gekommen, als klar wurde, dass es in den Niederlanden mit dem Sinai Centrum eine
ziemlich große und erfahrene Einrichtung der psychiatrischen und psychologischen
Versorgung für die jüdische Bevölkerung gab, die in ihrer Gesamtheit brutal vom
Holocaust betroffen war: Nur 30.000 von 140.000 Menschen hatten überlebt!
Aus dem Kontakt erwuchs eine Zusammenarbeit, die zu einem Ausbau der
Behandlungsmöglichkeiten von Spätfolgen bei den Überlebenden und von Folgen bei
der Zweiten Generation in Berlin führte.
-- National Israeli Center for Psychosocial Support for Survivors of the
Holocaust and the Second Generation. AMCHA - Volk auf Hebräisch. "Amcho?" war
das Erkennungswort während der Verfolgung.
-- Zweite Generation wird in diesem Buch als Eigenname benutzt, Definition siehe
S. 254 und Glossar.
Begriffsklärung
Für die Benennung dieses bis dahin Undenkbaren stehen bisher nur falsche oder
verhüllende und beschönigende Begriffe zur Verfügung. So ist der Begriff
"Holocaust" im Grunde nicht geeignet, weil dieses Wort ursprünglich ein
religiöses Brandopfer bezeichnet (1 Samuel 7,9) und es im Holocaust keine
Brandopfer gab.
Der hebräische Begriff "Schoah" wird in Israel und über seine Grenzen hinaus
heute immer häufiger benutzt. Er bedeutet Unheil, Heimsuchung, Verwüstung,
Zerstörung (Jesaja 10,3) im Rahmen von Gottes strafender Hand nach getanem
Unrecht. Auch das trifft überhaupt nicht zu, denn jeder Jude war schon aufgrund
seiner Geburt zum Tode verurteilt worden.
Ebenso wenig wird der alleinige Begriff Genozid dem einzigartigen Charakter
dieses totalen, weltweit gedachten, rein ideologischen Völkermords gerecht und
wird deshalb von uns nicht angewandt.
Zu den Begriffen "Schoah" und "Holocaust", s.: "In der
deutschen Sprache gibt es keinen Ausdruck für die ideologische Verfolgung der
Juden, die Gräueltaten und Qualen, die an ihnen verübt wurden, und den
fabrikmäßig durchgeführten Massenmord, der durch das nationalsozialistische
Regime von 1933-45 begangen wurde"...
weiter...
In Ermangelung eines "passenden Wortes", werden auch in den "Berliner Lektionen
zu den Spätfolgen der Schoah" die gebräuchlichen Begriffe "Holocaust" und
"Schoah" benutzt.
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Weitere Informationen zum Buch:
Berliner Lektionen zu den Spätfolgen der Schoah:
Das Schweigen brechen
Die Beiträge in den vier Teilen zeigen den Blick der Kliniker, Psychiater und
Psychotherapeuten auf die Schoah und die daraus resultierenden
psychosomatischen, psychischen und gesellschaftlichen Folgen.
Der Preis des Überlebens:
Begrijpt u nu waarom ik huil?
Entstanden ist das bestürzende Porträt eines Vaters, der
unter dem Eindruck eines posttraumatischen Stress-Symptoms seine
Lagererfahrungen an seine Frau und seine Kinder weitergibt...
Ilani Kogan:
Der stumme Schrei der Kinder
In sieben ebenso eindrucksvollen wie verstörenden psychoanalytischen
Fallstudien zeigt Ilany Kogan, wie Angehörige der sogenannten zweiten
Generation, also Kinder von Überlebenden des Holocaust, auf ihre Weise an
den schrecklichen Folgen einer Vergangenheit leiden, die nicht ihre eigene
ist...
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haGalil onLine 29-03-2005
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